KZ-Gedenkstätte und „Er hieß Joseph“
Gedenkstätte am Walkmühlenweg
Im Konzentrationslager Lengenfeld, einem Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg in der Oberpfalz, waren insgesamt ca. 1000 Häftlinge interniert. Von ihrer Unterkunft im Lager mussten die Gefangenen zwei Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz, der ehemaligen Baumwollspinnerei AG, marschieren, um dort in den sogenannten „Leng-Werken“, einem Betrieb der Junkers-Werke, unter anderem Einspritzdüsen für Flugzeugmotoren zu fertigen. Eine dieser Einspritzdüsen ist heute in unserem Stadtmuseum zu sehen.
Etwa 246 Menschen verloren dabei ihr Leben; sie wurden größtenteils im Krematorium Reichenbach eingeäschert. Am 13. April 1945 wurde das Lager geräumt, und die Häftlinge wurden auf einen verlustreichen Todesmarsch in Richtung Flossenbürg geführt.
1965 wurde auf den Fundamenten der ehemaligen Waschbaracke eine Gedenkstätte errichtet. Durch die 2025 erfolgte Sanierung ist sie nun auch barrierefrei zugänglich und soll weiterhin mahnen und erinnern!
Die längste historische Schnitzeljagd der Welt "Er hieß Joseph"
„Das Schicksal von Joseph Santerre soll uns an
die vielen Zivil- und Militäropfer aller Nationalitäten erinnern,
die während der Kriegszeit ums Leben gekommen sind.“
Die Schnitzeljagd „Er hieß Joseph“ lädt dazu ein, Geschichte auf besondere Weise zu entdecken. Initiiert wurde das Projekt von Laurent Guillet, dem Großneffen von Joseph Santerre. Es richtet sich an Menschen, die Erinnerung, Freiheit und Völkerverständigung schätzen und historische Orte gemeinsam erkunden möchten.
Die Idee entstand am 9. November 2011 in Irfersgrün im Vogtland nach der Veröffentlichung des Buches Er hieß Joseph. Daraus entwickelten sich zwei Projekte: ein literarischer Weg entlang der Schauplätze des Buches und eine historische französisch-deutsch-tschechische Schnitzeljagd.
Bereits im August 2012 machten sich über 40 Teilnehmer aus Frankreich auf den Weg, um 13 Tage lang den Spuren Josephs zu folgen und die historischen Orte zu besuchen.
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts sind acht Gedenktafeln in vier Sprachen (Französisch, Deutsch, Tschechisch und Englisch). Sie wurden in Frankreich, Deutschland und Tschechien aufgestellt und verbinden die drei Länder symbolisch über eine rund 2.000 Kilometer lange Erinnerungsroute. Ergänzt wird das Projekt durch einen Friedensgarten in Trévelo, in dem jedes Land seinen eigenen Baum gepflanzt hat – als Zeichen der Freundschaft und des Friedens.
Stationen der Schnitzeljagd
Tafel Nr. 1: beim Geburtshaus von Joseph, in Trévelo (F)
Tafel Nr. 2: beim Rathaus von Sarrebourg (F)
Tafel Nr. 3: beim Rathaus von Bad Liebenwerda (D)
und beim Rathaus von Mühlberg an der Elbe (D)
Tafel Nr. 4: beim Rathaus von Hartmannsdorf (D)
Tafel Nr. 5: beim Rathaus von Lengenfeld (D)
Tafel Nr. 6: beim Rathaus von Plauen (D)
Tafel Nr. 7: beim Rathaus von Litvínov (CZ)
Tafel Nr. 8: beim Rathaus von Most (CZ)
Wie funktioniert die Schnitzeljagd?
Die historische Schnitzeljagd „Er hieß Joseph“ führt die Teilnehmer zu acht Gedenktafeln in Frankreich, Deutschland und Tschechien. Die Standorte der Tafeln bilden die Route der Schnitzeljagd. Die Adressen sind auf jeder Gedenktafel sowie im Begleitbuch angegeben.
An jeder Station erfahren die Teilnehmer einen weiteren Teil der Geschichte von Joseph Santerre und seinen Kameraden. Wer die Tafeln in der richtigen Reihenfolge besucht und aufmerksam liest, folgt den Spuren Josephs bis zum letzten Ziel in Most (Tschechien), wo sich das Gesamtbild seiner Geschichte erschließt.
In den teilnehmenden Rathäusern kann ein Begleitbuch erworben werden. Es enthält weiterführende Informationen zur Schnitzeljagd und bietet Platz zum Sammeln der Stempel, die an jeder Station erhältlich sind.
Die Schnitzeljagd verbindet historisches Lernen mit dem Entdecken verschiedener Länder und soll an die Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnern. Gleichzeitig fördert sie den interkulturellen Austausch, das Erlernen von Fremdsprachen sowie die Freundschaft und den Frieden zwischen den Völkern.
Sobald Sie alle acht Stempel gesammelt haben, senden Sie bitte die Seiten mit den Stempeln an Laurent Guillet, Trévelo, F-56220 Limerzel, Frankreich. Nach erfolgreicher Prüfung erhalten Sie als Erinnerung und Anerkennung eine Urkunde über die erfolgreich abgeschlossene historische Schnitzeljagd „Er hieß Joseph“.
Biografie:
Joseph Santerre ist 1905 in Limerzel in der Bretagne geboren worden. Er gerieht im Verlauf des Jahres 1940 im Zweiten Weltkrieg in deutsche Kriegsgefangenschaft. Santerre wurde kurze Zeit später in das sogenannte Stammlager IV b nach Mühlberg gebracht. Von dort kam er über das Lager IV f in Hartmannsdorf nach Irfersgrün ins Vogtland und auf dem weiteren Weg über Plauen und Most in das Arbeitserziehungslager Litvinov/Tschechien wo er kurz vor Ende des Krieges verstarb.